Risikokapital hat in den letzten fünf Jahren über eine halbe Billion Dollar in Start-ups im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) gesteckt, aber die strategischste Investition liegt derzeit möglicherweise nicht mehr in der KI selbst. Es liegt in der Energieinfrastruktur, von der KI abhängt. Bei einer wachsenden Zahl von Rechenzentrumsprojekten kommt es zu Verzögerungen, nicht aufgrund von Softwarefehlern oder Algorithmenfehlern, sondern aufgrund einer grundlegenden Einschränkung: Strommangel.
Der Stromengpass: Eine drohende Krise
Laut Sightline Climate besteht bei 50 % der angekündigten Rechenzentrumsprojekte die Gefahr, dass sie sich aufgrund des Stromzugangs verzögern. Während 190 Gigawatt Rechenzentrumskapazität geplant sind, befinden sich derzeit nur 5 Gigawatt im Bau. Das Ungleichgewicht ist eklatant: Letztes Jahr gingen gerade einmal 6 Gigawatt ans Netz, während fast 36 % der Projekte bereits hinter dem Zeitplan zurückgeblieben sind. Dies ist nicht nur ein technischer Fehler; Es handelt sich um ein systemisches Problem, das jedes Unternehmen betrifft, das auf eine KI-Infrastruktur angewiesen ist.
Diese Angebots-Nachfrage-Knappheit schafft eine klare Chance für Investoren. Technologiegiganten wie Google und Meta nehmen dies bereits zur Kenntnis und investieren direkt in Projekte für erneuerbare Energien (Solar-, Wind- und Kernenergie) und unterstützen neue Technologien wie die Langzeitbatterien von Form Energy. Der Wettlauf um die Macht ist eröffnet.
Jenseits von Batterien: Die neue Energietechnologie
Dutzende Startups stellen sich dieser Herausforderung. Unternehmen wie Amperesand, DG Matrix und Heron Power entwickeln Stromumwandlungstechnologien der nächsten Generation. Andere, darunter Camus, GridBeyond und Texture, entwickeln Software zur Optimierung des Energieflusses.
Das Problem eskaliert. Goldman Sachs prognostiziert, dass der Stromverbrauch von KI-gesteuerten Rechenzentren bis 2030 um 175 % ansteigen wird. Diese beispiellose Nachfrage treibt die Strompreise in die Höhe und zwingt Unternehmen, nach Alternativen zu suchen: Stromerzeugung vor Ort, Hybridlösungen oder sogar den Aufbau eigener unabhängiger Energiequellen. Auch die US-Regierung hat dies zur Kenntnis genommen und die Technologieunternehmen aufgefordert, das Defizit zu beheben, indem sie entweder in die Infrastruktur investieren oder höhere Zinsen in Kauf nehmen.
Grid-Alternativen: Der Aufstieg der Eigenständigkeit
Amazon, Google und Oracle minimieren bereits die Netzabhängigkeit. Rechenzentren werden zunehmend mit Vor-Ort-Stromversorgung oder Hybridsystemen geplant. Obwohl derzeit nur ein Viertel der Projekte diese Ansätze nutzt, machen sie 44 % der Gesamtkapazität aus.
Der Vorstoß wird durch den Mangel an Ausrüstung (insbesondere bei Gasturbinen) und eine veraltete Netzinfrastruktur angeheizt. Dies schafft einen Weg für alternative Energiequellen. Der jüngste Deal von Google in Minnesota ist ein Beispiel dafür und kombiniert Wind-, Solar- und eine riesige 30-Gigawattstunden-Batterie von Form Energy.
Es wird erwartet, dass die USA bis Ende dieses Jahres über fast 65 Gigawatt Batteriespeicherkapazität verfügen werden, und Form Energy nimmt im Hinblick auf einen Börsengang eine 500-Millionen-Dollar-Runde auf. Der Energiespeichermarkt steht vor einem explosionsartigen Wachstum.
Die vergessene Komponente: Transformers
Energieversorgung ist nur die halbe Miete. Der letzte Schritt – die Verwaltung der Stromverteilung – basiert auf einer Technologie, an der sich in den letzten 140 Jahren kaum etwas verändert hat: dem Transformator. Herkömmliche Eisen-Kupfer-Transformatoren sind zuverlässig, aber sperrig. Da Rechenzentren mehr Strom benötigen, werden die Geräte bald doppelt so viel Platz beanspruchen wie die Server-Racks selbst.
Aus diesem Grund unterstützen Investoren jetzt Start-ups im Bereich Festkörpertransformatoren. Leistungselektronik auf Siliziumbasis bietet eine kleinere, flexiblere Alternative, allerdings zu höheren Vorlaufkosten. Die langfristigen Einsparungen (Austausch mehrerer Komponenten) sollten sie wettbewerbsfähig machen.
Das große Ganze: Eine Absicherung gegen die Zukunft
Während KI-Investitionsrunden für Schlagzeilen sorgen, ist der Umfang der Finanzierung im Energie- und Energietechnologiebereich noch geringer. Das ist kein Nachteil; Dies bedeutet überschaubarere Einstiegspunkte für Anleger. Darüber hinaus wird die Nachfrage nach zuverlässiger Energie mit der zunehmenden Elektrifizierung der Welt über die KI hinaus (Transport, Industrie usw.) nur noch steigen.
Bei Investitionen in die Energieinfrastruktur geht es nicht nur darum, KI zu ermöglichen; Es ist eine Absicherung gegen mögliche Schwankungen des KI-Marktes. Die beste KI-Investition liegt möglicherweise gar nicht in der KI, sondern in der Leistung, die sie zum Laufen bringt.
