In der Gaming-Branche wimmelt es oft von hochauflösenden, hyperrealistischen Shootern. Gelegentlich entsteht jedoch ein Projekt, das eher zu stilistischer Exzentrizität als zu technischem Realismus tendiert. Maus: P.I. For Hire, der lang erwartete Indie-Titel des polnischen Studios Fumi Games, ist ein solcher Ausreißer.

Durch die Mischung des „Gummischlauch“-Animationsstils der 1930er Jahre mit den düsteren, zynischen Tropen des hartgesottenen Detective Noir versucht das Spiel einen schwierigen Balanceakt: Es ist sowohl ein skurriler Cartoon als auch ein gewalttätiger, ernster Thriller.

Eine Welt voller Tinte und Intrigen

Das Spiel spielt in der Stadt Mouseburg und folgt Jack Pepper, einem Kriegshelden, der zum Privatdetektiv wurde. Die Ästhetik erinnert stark an die frühe Ära der Animation – denken Sie an Steamboat Willie oder Betty Boop – und zeichnet sich durch Schwarz-Weiß-Bilder, schwungvolle Charakterbewegungen und einen gewissen Vintage-Charme aus. Um dieses Eintauchen zu vertiefen, hat Fumi Games optionale Filter integriert, die Filmkörnung und Audioverschlechterung hinzufügen und den Soundtrack so klingen lassen, als würde er von einer knisternden Wachswalze abgespielt.

Lassen Sie sich jedoch nicht von der niedlichen Ästhetik täuschen. Unter der Cartoon-Hülle verbirgt sich eine engagierte Hommage an die klassische Kriminalliteratur. Die Erzählung lässt sich direkt von Autoren wie Raymond Chandler inspirieren und befasst sich mit wichtigen Themen wie:
– Politische Korruption und soziale Ungleichheit.
– Die Anwesenheit von „Cheeseleggern“ (Schmuggelhändlern) und schmutzigen Polizisten.
– Eine weitläufige Verschwörung, die die politischen Spannungen der tatsächlichen 1930er Jahre widerspiegelt.

Die Charakterisierung wird durch eine starke Stimmenbesetzung untermauert, allen voran Troy Baker, dessen rauer Vortrag für die perfekte „Gummi“-Erzählung sorgt. Der Text balanciert Noir-Ernsthaftigkeit mit zeitgemäßem schwarzem Humor und Wortspielen und schafft so eine Welt, die gelebt und konsistent wirkt.

Kampf: Stil vs. Präzision

Während die Atmosphäre erstklassig ist, ist das Gameplay komplexer. Maus: P.I. For Hire fungiert als „Boomer-Shooter“ – ein Genre, das sich durch rasante, retro-inspirierte Kämpfe auszeichnet, die an Doom erinnern.

Das Arsenal ist kreativ und thematisch. Die Spieler nutzen Standardwerkzeuge wie Schrotflinten und Thompson-Maschinenpistolen sowie einzigartige Waffen wie den Devarnisher, eine Waffe, die Terpentin verschießt, um Feinde zum Schmelzen zu bringen – eine clevere Anspielung auf die Chemikalien, die Animatoren in der realen Welt zum Löschen von Tinte verwenden.

Allerdings steht das Spiel vor einer technischen Hürde: 2D-Animation in einen 3D-Schießraum zu übersetzen.
Hitbox-Probleme: Da die Gegner mit stark stilisierten, flüssigen 2D-Bewegungen gestaltet sind, kann es sich unpräzise anfühlen, sie in einer 3D-Umgebung zu treffen.
Schwierigkeitsspitzen: Bei Standardeinstellungen ist das Spiel fehlerverzeihend. Auf höheren Schwierigkeitsgraden kann die Kombination aus bestrafendem Schaden und verwirrenden Hitboxen jedoch zu Frustration führen, insbesondere wenn es um kleinere, schnellere Ziele geht.

Das Urteil: Eine stilistische Spritztour

Trotz dieser mechanischen Probleme hat Mouse: P.I. For Hire erfüllt seine Hauptaufgabe: eine einzigartige, immersive Atmosphäre zu schaffen. Es wird nicht versucht, das Shooter-Genre neu zu erfinden oder mit der technischen Leistungsfähigkeit von Titeln wie Titanfall 2 zu konkurrieren. Stattdessen bietet es ein anspruchsvolles, genreübergreifendes Erlebnis, das seinen Preis von 30 US-Dollar durch seine pure Persönlichkeit rechtfertigt.

Es ist ein Spiel, in dem „Cartoon-Logik“ auf „Noir-Grut“ trifft und beweist, dass selbst eine von Mäusen bewohnte Welt ernste Themen wie Faschismus und Korruption angehen kann.

Abschließender Gedanke: Maus: P.I. For Hire ist ein charmantes, atmosphärisches historisches Stück, bei dem Stil und Storytelling im Vordergrund stehen, was es für Fans von Indie-Shootern und Noir-Krimi gleichermaßen zu einem entzückenden, wenn auch gelegentlich ungenauen Erlebnis macht.


Veröffentlichungsdetails: Maus: P.I. For Hire erscheint am 16. April für PC, Xbox Series X/S, PS5 und Nintendo Switch 2.